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Doppelte Rolle rückwärts

Neue Giebel in der Fußgängerzone – aus dieser Perspektive wirkt die Gasse sehr schmal.
Neue Giebel in der Fußgängerzone – aus dieser Perspektive wirkt die Gasse sehr schmal.
Mit rund 42.000 Einwohnern musste Gifhorn, die "idyllische Mühlenstadt in der südlichen Lüneburger Heide" im Mündungsdreieck Aller und Ise, seine Hauptstraße schon von Autos befreien – und eine Fußgängerzone einrichten. Entlang dieser Hauptstraße wuchs das Straßendorf ursprünglich mit giebelständigen Häusern, die seit dem 18. Jahrhundert auch durch traufständige Walmdach- oder Flachdachbauten ersetzt und ergänzt wurden. Wo die Volksbank nun ihren Bau aus den 1980er Jahren abriss und neu baute, steht links ein Walmdach-, rechts ein Flachdachhaus. Und Stephan Braunfels Architekten gewannen den eingeladenen Wettbewerb mit einem Entwurf, der dazwischen mit zwei giebelständigen Baukörpern auf die mittelalterliche Straßendorfstruktur zurückgeht.
Auf der Rückseite treten die Rotunde und die glatte, ins Dach gleitende Fassade deutlicher in Erscheinung als auf der Straßenseite.
Auf der Rückseite treten die Rotunde und die glatte, ins Dach gleitende Fassade deutlicher in Erscheinung als auf der Straßenseite.
Der bekennende Flachdachfan Braunfels rettete das neue Finanz- und Dienstleistungszentrum der Volksbank mit puristischen Sichtbetonwänden und moderner, fast ein bisschen modischer, ziegelroter Fassade mit Fensterversatz in die Gegenwart. Zwischen den schräg zueinander positionierten Baukörpern führt eine rund um die Uhr geöffnete Passage durch eine Rotunde, die nun nicht etwa die Idee des Architekten, sondern ein "Markenzeichen" der Volksbank ist. Eine Rotunde an eine solche Baukörperkonstellation anzuschließen, das weiß jeder Architekt, führt zu geometrischen und konstruktiven Kalamitäten – schade, dass die Volksbank in diesem Fall nicht auf die Rotunde verzichten wollte.
Die Rotunde schneidet in die beiden Hauptbaukörper über alle Geschosse ein – geometrisch kein leichtes Unterfangen.
Die Rotunde schneidet in die beiden Hauptbaukörper über alle Geschosse ein – geometrisch kein leichtes Unterfangen.
Außen wie innen staunt man über makellose Sichtbetonflächen. Dafür – das weiß das Büro Braunfels aus reichlicher Erfahrung mit der Münchner Pinakothek und den Ulmer Geschäftshäusern – muss der Beton unter anderem eingehaust und temperiert gegossen werden. Ob diese Makellosigkeit die Herzen der Gifhorner gewinnt und nicht von Sprayern als ideale Graffiti-Fläche umgenutzt wird, wissen wir erst in zwei bis zehn Jahren. Aber die Chancen stehen gut, denn der Bauherr wird sein Haus pflegen und sorgte auf der Rückseite mit den Landschaftsarchitekten für eine angenehme Freifläche.
Ursula Baus
Auch in der schrägen, innen liegenden Fläche (rechts im Bild) ist der Sichtbeton makellos ausgeführt.
Auch in der schrägen, innen liegenden Fläche (rechts im Bild) ist der Sichtbeton makellos ausgeführt.
Lageplan
Lageplan
Querschnitt
Querschnitt
Erdgeschoss
Erdgeschoss
2. Obergeschoss
2. Obergeschoss
Neubau der Volksbank in Gifhorn
2011

Steinweg 49-51
38518 Gifhorn
 
Bauherr
Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg
Braunschweig
 
Architekten
Stephan Braunfels Architekten
Berlin

Projektleiter
Johannes Hanf
 
Bauleitung
Stephan Braunfels Architekten
in Zusammenarbeit mit
GMS Architekten + Beratende Ingenieure
Berlin
 
Tragwerksplanung
Dr. Martens + Puller Ingenieurgesellschaft mbH
Braunschweig

Haustechnik
ARUP GmbH
Berlin

Freianlagen
Frank Kiessling Landschaftsarchitekten
Berlin

Bauphysik, Bauakustik, Brandschutz
MüllerBBM
Berlin
 
Bruttogeschossfläche
3.500 m²
 
Baukosten
8 Mio. € (KG300 + 400)
 
Fotografie
O. Mahlstedt

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