Zeitgemässes Bauen für den Massnahmenvollzug

bauformat architekten haben kürzlich einen Wohn- und Bürobau im Jugendheim Prêles fertiggestellt. Daniel Gäumann wählt drei Zeichnungen und vier Fotos und beantwortet unsere sechs Fragen.
Ansicht Südost
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Anstelle einer aufwendigen Sanierung der dreigeschossigen Bausubstanz aus den Fünfzigerjahren wurde auf mehrheitlich bestehendem Kellergeschoss ein vorfabrizierter Holzelementbau errichtet. Der schlichte und eingeschossige Holzbau ist konzeptionell, statisch und installationstechnisch für eine spätere Aufstockung vorbereitet.
Situation
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Im Kontext der seit den Zwanzigerjahren entstandenen Gebäudevielfalt im Areal Châtillon definiert ein moderner Neubau die Austrittswohngruppe. Symbolhaft hebt er sich mit seiner Holzfassade in vertikaler Fichtenschalung vom Heimatstil des Hauptgebäudes aus Mitte der Zwanzigerjahren sowie den Ergänzungsbauten im traditionell ländlichen Stil aus den Fünfzigerjahren und Siebzigerjahren ab.
Wohn- und Essbereich
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Ausserhalb des Areal Châtillon im Übergang in die Landwirtschafts- und Waldzone markiert der schlichte Wohnbau die letzte Progressionsstufe im offenen Jugendmassnahmenvollzug. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Turnhalle und zu den Wohnbauten aus den Fünfzigerjahren demonstriert der Minergie-P-Eco Bau die heutige Bauweise.
Grundriss EG
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Die Grundrissdisposition der zweiteiligen Wohngruppe mit je fünf Jugendzimmern basiert auf den Vorstellungen der Nutzerschaft und entspricht den strikten Vorgaben gemäss Bauhandbuch für Bauten im offenen Massnahmenvollzug des Bundesamtes für Justiz BJ und des Bundesamtes für Bauten und Logistik BBL. Das Grundkredo - möglichst alles hören und sehen - bestimmt die Anordnung der Wohn- und Arbeitsräume im Zentrum der Wohngruppe.
Schnitt
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Der Neubau Vita ist Bestandteil der Gesamterweiterung und Sanierung des Jugendheims Prêles. Alle Ergänzungs- und Neubauten zeigen in formaler Gestaltung und neuer Materialität die heutigen Eingriffe in den Baubestand der gewachsenen Gesamtanlage. In diesem Sinne widerspiegelt der Neubau Vita unsere Architekturauffassung sowie Denk- und Arbeitsweise.
Ansicht Ost
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Die formulierten Anforderungen - Vorbereitung zur Aufstockung und Umsetzung Systemtrennung (Nutzungsflexibilität) - beeinflussten stark den statischen Raster und somit die Grundrissdisposition der Erschliessung sowie der Installationsräume. Die Umsetzung von Minergie-P-Eco, namentlich sommerlicher Wärmeschutz und solare Energienutzung im Winter, konnte dank flexibler Beschattung im Vordachbereich der Terrasse erfüllt werden.


Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Ansicht Süd
Jugendheim Prêles, Austrittswohngruppe Vita
2011

Prêles BE

Auftragsart
Wettbewerb

Bauherrschaft
Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) Bern

Architektur
bauformat architekten GmbH, Biel
Daniel Gäumann, Milan Müller, Ursina Bernold, Silas Maurer, Sabrina Bratschi

Fachplaner
HLKS: Planair, La Sagne
Elektrotechnik: Varrin Müller, Thun
Indermühle Bauingenieur, Thun

Gesamtkosten BKP 1-9
2.4 Mio

Gebäudekosten BKP 2
2.0 Mio

Gebäudevolumen
1810m3

Kubikmeterpreis
1105 CHF/m3

Energiestandard
Minergie P-ECO BE 025

Massgeblich beteiligte Unternehmer
Beer Holzbau AG, Ostermundigen
Farbgestaltung: Thomas Heimann, Basel

Fotos
bauformat architekten GmbH
Alexander Jaquement