B wie Bunker, K wie Kunst

Früher Munitionslager, heute Ausstellungsraum. Bei Montabaur wurden Bunker für die Kunst entdeckt.
Bei Montabaur liegt im Stadtwald eine Bunkeranlage, die als Nato-Munitionslager errichtet worden ist. Der Mitte der 1990er Jahre verlassene Komplex wurde 2005 von Jan Nebgen und seiner Frau Leisa Brubacker entdeckt – von diesem Datum leitet sich der Name b-05 ab. Die beiden Gründer des „b-05 Art and Design Centers“ fanden eine militärische Anlage vor, die sich die Natur wieder zurück zu erobern begann. Die Idee, hier einen Ort für Kunst und Design, für Ausstellungen und Austausch zu entwickeln, verband sich mit dem Anliegen, diese besondere Atmosphäre, die Spannung und den morbiden Charme zu erhalten – soviel wie möglich des Parks soll unberührt bleiben, damit im Zusammenspiel Natur, Geschichte und Kunst intensiv erlebt werden können, damit in der Konzentration des abgelegenen Orts Austausch in hoher Intensität stattfinden kann. 2006 wurde ein Förderverein gegründet, um die Idee Wirklichkeit werden zu lassen.
Der Waldbestand gibt dem Ort eine besondere Atmosphäre.
Knapp 12 Hektar ist das Areal groß – groß genug, dass sich diese Ansprüche miteinander vertragen. Die Eingriffe konzentrierten sich bislang darauf, die Bunker verschiedener Größen als Ausstellungsräume und Ateliers nutzbar und zugänglich zu machen – das schon allein war eine aufwändige Aufgabe. Es galt Schäden zu beheben, die Wände zu säubern und sie dann zu streichen. Klimaanlagen mussten installiert werden, die Beleuchtung neu eingerichtet, Sanitärräume saniert oder neu angelegt werden. Die teilweise bereits zugewachsenen Zufahrten mussten wieder frei gemacht werden, die beschädigten Bunkereinfassungen ergänzt werden. Eine Rezeption und ein Café am Eingang ergänzen die Infrastruktur bislang. Inzwischen sind seit 2008 in den sieben Ausstellungsbunkern bereits sechs Ausstellungen mit namhaften Künstlern gezeigt worden – im Moment ist „Es gibt ... Reflexionen aus dem beschädigten Leben?“ zu sehen. 
Die unterschiedlichen Bunkergrößen lassen Rauminstallationen ebenso zu wie ...
Dass der Ort jetzt schon bei der Bevölkerung beliebt ist, wundert daher kaum: zur attraktiven Lage im Wald und der besonderen Atmosphäre kommt das abwechslungsreiche Programm – neben den Ausstellungen wird regelmäßig Live-Musik präsentiert. Das Cafe kann zudem für Feste gemietet werden.
... die Präsentation mehrerer Arbeiten in einem Raum.
Aber es soll nicht bei dem bleiben, was bis 2012 erreicht worden ist. Für die Zukunft haben die Gründer noch einiges vor. Sie wollen das b-05 zu einem Ort des interdisziplinären Austauschs zwischen Kunst, Wissenschaft und Zivilgesellschaft weiterentwickeln, Künstler und Wissenschaftler sollen hier einige Zeit verbringen können, ein Konferenzzentrum errichtet werden, der Schwerpunkt soll darauf gelegt werden, „durch eine Zusammenarbeit zukunftsweisende Gebäudestrukturen zu entwickeln und neue Maßstäbe zu setzen“, wie es im Projektbericht heißt.
Das Engagement der Förderer und Unterstützer, dank derer das Projekt, wie die Gründer nicht ohne Stolz schreiben, „ohne jegliche institutionelle, politische oder unternehmerische Abhängigkeit oder Verflechtung“ verwirklicht werden konnte, wird also weiterhin nötig sein. Es hat sich bislang gelohnt.
Christian Holl
Lageplan des derzeitigen Zustands ...
... und des projektierten Ausbaus.
Grundriss und Schnitt eines kleinen Bunkertyps von etwa 25 Quadratmetern
Grundriss und Schnitt eines kleinen Bunkertyps von etwa 190 Quadratmetern
b-05 Art and Design Center
1966/ seit 2008 

Im Stadtwald
56410 Montabaur

Bauherr der Sanierung und Neugestaltung
Jan Nebgen, Leisa Brubaker
Montabaur

Architekt
1966: G. Dieterich, Mainz
seit 2008: Jan Nebgen B.F.A.

Projektleiter
Jan Nebgen

Bruttogeschossfläche
Je große Bunker 180 m² bis 200 m²
Je kleine Bunker 25 m² bis 50 m²
Café etwa 80 m²

Fotografie
Julia Berlin